Bad Wildungen(pm). Der Feuersalamander ist einer der tierischen Sympathieträger der Mittelgebirgslandschaft; auffällig gefärbt, beliebt bei Erwachsenen wie Kindern und einst sogar als Werbefigur Lurchi für Kinderschuhe bekannt. Und doch bekommen man ihn kaum zu Gesicht. Als feuchtigkeitsgebundenes und überwiegend nachtaktives Tier sieht man ihn oft erst, wenn es zu spät ist, etwa wenn er dem Autoverkehr zum Opfer gefallen ist. In der Region kommt er noch häufig vor. Doch sein Bestand ist akut bedroht. In 2010 erstmals in den Niederlanden nachgewiesen, breitet sich in Europa ein tödlicher Hautpilz mit dem Namen Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) aus. Eingeschleppt vermutlich über den internationalen Tierhandel aus Asien, zerstört der Pilz die Hautzellen von den Schwanzlurchen, wie dem Feuersalamander, und führt innerhalb weniger Stunden bis Tage zum Tod. In den Niederlanden und Belgien sind die Populationen bereits stark dezimiert. Auch in Deutschland ist Bsal inzwischen angekommen. Die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen sind bereits betroffen. In Hessen wurde der Pilz 2024 erstmals nachgewiesen. Für den angrenzenden Nationalpark Kellerwald-Edersee liegen seit November 2024 erste Nachweise vor. Eine weitere Ausbreitung gilt als wahrscheinlich. Besonders problematisch ist, dass die Sporen des Pilzes lange Zeit im Boden überdauern. Sie haften an Schuhsohlen, Fahrradreifen aber auch Hundepfoten und können so über weite Strecken transportiert werden. Nicht Tierwanderungen, sondern das menschliche Mobilitätsverhalten gilt als Hauptfaktor für die schnelle Ausbreitung.
Ein weiterer Faktor, der zum raschen Erlöschen ganzer Feuersalamander-Populationen führt, ist ihr natürliches Verhalten in den Wintermonaten. In ihren Winterquartieren versammeln sich mitunter Hunderte Tiere auf engem Raum. Ein einziges infiziertes Tier kann dort eine ganze Population anstecken und auslöschen. Heilungsmöglichkeiten gibt es nicht, Resistenzen sind bislang ebenfalls nicht bekannt. Die einzige wirksame Maßnahme besteht darin, eine weitere Verbreitung des Pilzes zu verhindern.
Mit Prävention der Ausbreitung begegnen
Um einer Einschleppung des Pilzes zuvorzukommen, arbeitet die Stadt Bad Wildungen mit dem Naturpark Kellerwald-Edersee, dem Nationalpark Kellerwald-Edersee, dem Kommunalwald sowie ehrenamtlichen Helfern vom NABU zusammen. Besonders sensible Bereiche, wie das Helenental, ein bundesweit bedeutender Lebensraum für den Feuersalamander, sollen geschützt werden. Auch wenn die Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind, kann das Risiko einer Verschleppung von Bsal durch aktives Handeln verringert werden. Dazu wurden an den Zugängen zum Tal Desinfektionsstationen eingerichtet, an denen Wandernde und Radfahrende ihre Schuhe und Fahrradreifen vor und nach dem Waldbesuch reinigen und desinfizieren können. Ziel ist es, kontaminiertes Erdmaterial nicht weiter zu verbreiten. Damit dies gelingt, ist eine aktive Mitwirkung der Öffentlichkeit erforderlich.
Folgendes kann man selbst tun:
• Schuhe und Fahrräder vor dem Waldbesuch von grobem Schmutz befreien,
• Schuhe warm (über 25 °C) und trocken lagern, idealerweise ein bis zwei Tage vor dem nächsten Einsatz,
• Schuhe zu Hause und an den Stationen desinfizieren,
• Hunde an der Leine zu führen und Wege nicht verlassen,
• Feuersalamander nicht anfassen oder stören,
• Sichtungen und Totfunde über das Online-Meldeportal (https://feuersalamander-hessen.de/tiere-melden/) melden.
Mit jeder kleinen Maßnahme leistet man einen Beitrag zum Schutz des heimischen Feuersalamanders./od






